An Economist’s Solution to the Refugee Crisis: Tradable Asylum Quotas

This week I took a course on migration with Hillel Rapoport from the Paris School of Economics. Lots of interesting stuff there: For example, recent empirical research suggests that allowing highly educated persons to emigrate may actually lead to a net increase in human capital in the home country (“brain gain”). The reason: the possibility to emigrate and earn higher wages abroad increases incentives for everyone to get more education and this could outweigh the direct brain drain effect.

Less surprisingly, we also talked quite a bit about the ongoing refugee crisis and an economist’s solution to it, proposed in recent work by Fernandez-Huertas Moraga and Rapoport. Let the EU set quotas for member states according to some initial key (capacity index), let the countries trade quotas on a market similar to the EU’s emission trading system, then use matching theory to allocate refugees to countries until the quotas are filled.

So how would this work in theory? Suppose 1 million refugees need to be allocated to 2 countries, A and B. According to the initial key, country A has a quota of 600,000, country B a quota of 400,000 refugees – say, because A is 50 percent larger than B (in terms of population or GDP). Costs of hosting refugees include both expenses for housing, food and clothing as well as costs arising from potential immigration-related social conflicts. The marginal cost of hosting refugees is increasing: the more refugees you already have, the higher the additional cost of hosting one more. For some reason, at the initial allocation, country A has higher marginal costs of hosting refugees than B, perhaps because popular opinion in country A is more hostile towards foreigners. For concreteness, let initial marginal costs in A and B be 15,000 and 11,000 euros, respectively. In that case, A’s government will be happy to pay up to 15,000 per refugee for the right to transfer refugees to country B. B’s government is happy to accept more refugees for any price above 11,000 euros. Given a competitive market (or a good auctioning mechanism), refugees will be transferred from A to B until marginal costs of hosting refugees are equal across countries ensuring an efficient allocation of asylum seekers. In equilibrium, the price will be somewhere between 11,000 and 15,000 euros per refugee, and country A will host fewer than 600,000, country B more than 400,000 refugees. (Readers familiar with the Coase theorem will notice that the initial allocation of refugees is of no relevance for this result.)

Alright, I can already hear the moral outrage: How dare you put a price tag on refugees?! Well, whether you like it or not, we are already putting a price tag on refugees. 6,000 euros – that’s the compensation the EU Commission is now offering member countries for each relocated asylum seeker. What’s more, under any quota scheme, there have to be some penalties in place for countries that don’t fulfill their quota. And in order for the plan to be incentive compatible, the penalty per refugee not hosted must be higher than the marginal cost of hosting refugees. So at this point, we are merely talking about what the correct price tag (or, equivalently, the correct penalty for not fulfilling the quota) is. There is simply no way to find this out without some kind of market mechanism that elicits the true refugee-hosting costs, as perceived by the member countries’ governments.

There are, of course, problems with that proposal. First and foremost, though the initial distribution of quotas doesn’t matter for the final allocation of refugees across countries, it does matter for who receives how much money in the end. In our example above, the larger the initial quota of country A, the more it will have to pay to country B in equilibrium. This creates a very tricky bargaining situation as each government tries to get as small an initial quota as possible. Judging by the recent experience of intra-EU negotiations, this problem alone might kill the whole thing. But then again, if the EU wants to have any kind of quota system, it has to solve that problem somehow.

Once that problem is solved (I’m assuming the can-opener here), it should be a piece of cake to get the auctioning mechanism going. Also, the algorithm to match refugees to countries is no more complex than the ones used by your average online dating platform.

So, the plan is well within the realm of the technically feasible. It makes great economic sense. Alas, it’s probably a non-starter politically.

PS: Here’s Hillel Rapoports website for additional info.

Stammtischmythen im Faktencheck: Sind öffentliche Schulden wählbar?

Wer kennt das nicht: Pseudopolitische Diskussionen, bei denen mit überzeugend wirkenden Fakten argumentiert wird. Anekdotische Evidenz ist schnell parat: Das ein oder andere konkrete Beispiel wird zum Beleg einer allgemein gültigen These hochstilisiert und muss dafür herhalten, eine gesamte Theorie zu bestätigen. Meistens klingt das ganze Konstrukt auch sehr plausibel und zu schnell gibt man sich mit dem Gedanken zufrieden, dass die Person, welche diese Thesen so selbstsicher verbreitet, sich bestimmt eingehend mit dem Thema befasst hat oder zumindest jemanden kennt, der jemanden kennt, der das alles ja viel viel besser weiß…

Eine dieser Thesen, die ich immer wieder höre, ist die, der “Schuldenpartei SPÖ”. Die ÖVP, die sich ja gern als wirtschaftsfreundliche Partei gibt und der Gegenspielerin SPÖ jegliche Wirtschaftskompetenz abspricht, ist in der Lage, mit den öffentlichen Finanzen hauszuhalten, während die SPÖ blindlings in die Schuldenfalle tappt. Schlagwörter wie “Nulldefizit”, “deficit spending” und “Kreisky-Ära” sind parat und die gelernte Österreicherin weiß ganz genau, worum es geht.

Tendenziell werden öffentliche Schulden auch als furchtbares Übel angesehen. Die magische, aber nicht wirklich relevante 60%-des-BIPs-Grenze, schwebt wie ein Damoklesschwert über Europa. Alles darüber ist schrecklich, alles darunter toll. Allzu oft wird übersehen, dass Staaten oder Gebietskörperschaften im Gegensatz zu menschlichen Schuldnern kein automatisches natürliches Ende erleben: “mors certa hora incerta” gilt hier nicht. Darüber hinaus verfügen Menschen auch nur selten über Steuerhohheit, mit der sie sich ihr Einkommen quasi selbst regeln können. Dies sind nur einige Aspekte, die erklären, warum die Probleme von privaten Schulden nicht direkt auf öffentliche Schulden übertragbar sind. Schulden sind per se weder gut noch schlecht. Aber die Eigenschaften von Staatsschulden ist hier gar nicht das Thema (diese wurden auf diesem Blog aber bereits mehrmals zumindest am Rande diskutiert: siehe hier und hier). Vielmehr geht es in diesem Artikel darum, die These zu testen, ob “SPÖ-Regierungen” tatsächlich mit höheren Schuldenständen in Zusammenhang stehen. Da ich diese These mehrmals im Zusammenhang mit dem Haushaltsgebaren von Gemeinden gehört habe, ziehe ich nun auch diese heran und betrachte die öffentlichen Schulden der steirischen Gemeinden. Daten zu den Schuldenstäden pro Kopf für 2013 und 2014 sind bei Statistik Austria zu finden. Um Gemeinden nach SPÖ- und ÖVP-Zugehörigkeit zu klassifizieren, ziehe ich die Ergebnisse der Gemeinderatswahlen 2005 und 2010 heran, welche das Land Steiermark zum Download bereit stellt.
Schulden sind eine Sache, die nicht plötzlich entsteht oder plötzlich verschwindet. Maßgeblichen Einfluss darauf hat man, wenn man über längere Zeit eine gewisse Politik verfolgen kann. Ideologische Einflüsse auf den Schuldenstand sind daher dann zu erwarten, wenn über längere Zeit, bevor der Schuldenstand gemessen wird, dieselbe Partei an der Macht ist. Das ist auch der Grund, warum ich die Wahlergebnisse von 2005 und 2010 heranziehe, um die Schulden für die Jahre 2013 und 2014 zu analysieren. Zum Zeitpunkt der Analyse, waren die Schuldenstände von 2015 noch nicht vollständig abrufbar. Darüber hinaus gab es mit der Gemeindestrukturreform in der Steiermark 2015 wesentliche Änderungen, welche die Analyse unsauber machen würde. Um den Einfluss von Einzeleffekten gering zu halten, betrachte ich im folgenden stets die durchschnittlichen pro Kopf Schulden aus den Jahren 2013 und 2014.

Zu aller erst: Wie kann man eine Gemeinde als SPÖ- oder ÖVP-Gemeinde klassifizieren? Das ist gar keine so einfache Frage und diverse Strategien sind denkbar. Ich habe mich hier dafür entschieden, ausschließlich jene Gemeinden heranzuziehen, in denen sowohl 2005 als auch 2010 dieselbe Partei stimmenstärkste Kraft wurde. Die folgende Abbildung zeigt die Wahlergebnisse der steirischen Gemeinden bei den Gemeinderatswahlen 2005 und 2010 (bzw. 2008 und 2012 in der Landeshauptstadt Graz). Die Analyse basiert auf den Grenzen von 2013, also jener Struktur vor der allgemeinen Gemeindestrukturreform, aber nach der Zusammenlegung von Buch-Geiseldorf mit Sankt Magdalena am Lemberg und Hafning bei Trofaiach mit Gai und Trofaiach.

wahl

Ergebnisse der steirischen Gemeinderatswahlen 2005 und 2010 (bzw. in Graz 2008 und 2012).

 

Die nachfolgende Abbildung zeigt die Zuordnung zu schwarzen und roten Gemeinden nach der oben beschriebenen Strategie. Damit sind noch 489 von 539 Gemeinden im Rennen. (Man beachte die politische Persistenz in der grünen Mark!) Davon sind 350 der ÖVP und 139 der SPÖ zuordenbar. Jene Gemeinden, die nicht eindeutig einer der beiden Großparteien zugeordnet werden konnten, sind grau eingefärbt.

zuordnung

Zuordnung von Gemeinden zu Parteien.

 

Wie sieht es nun mit dem Schuldenstand in den von der SPÖ bzw. ÖVP geleiteten Gemeinden aus?

Durchschnittliche pro Kopf Schulden (2013-2014) der steirischen Gemeinden.

Durchschnittliche pro Kopf Schulden (2013-2014) der steirischen Gemeinden.

Im Mittelwert ist der Schuldenstand von schwarzen Gemeinden mit 1.581 € pro Kopf de facto gleich hoch wie jener von roten Gemeinden (1.582 €). Betrachtet man die gesamte Verteilung wird ersichtlich, dass es tatsächlich kaum Unterschiede zwischen roten und schwarzen Gemeinden gibt.

 

durchschnittliche_schulden

Durchschnittliche pro Kopf Schulden (2013-2014) in schwarzen und roten Gemeinden.

 

Die höchsten Schulden hat die kleine ÖVP-Gemeinde Teufenbach in Murau. (Bad Radkersburg hatte sogar noch höhere Schulden, da in dieser Gemeinde jedoch 2005 eine Bürgerliste knapp vorne lag und 2010 die ÖVP stimmenstärkste Partei wurde, fließen diese Daten nicht in die Analyse mit ein.)

Auch ein additives Probit-Modell, welches die Wahrscheinlichkeit modelliert, dass bei gegebenem pro Kopf Schuldenstand eine SPÖ-Gemeinde vorliegt, lehnt jeglichen Unterschied zwischen den beiden Gemeindetypen ab. Gäbe es den probagierten Zusammenhang zwischen hohen Schulden und SPÖ-Gemeindeführung, würde man einen steigenden Verlauf des geschätzten Effekts erwarten, der deutlich von Null verschieden ist. Der geschätze Verlauf hat damit jedoch rein gar nichts zu tun.

schulden_effekt

Output eines additiven Probit-Modells.

 

(Für Statistik-Interessierte: Die grau gepunktete Linie gibt das Null-Niveau und die schwarz gestrichelten Linien ± 2 Standardaweichungen an. Die schwarzen Striche am unteren Rand stellen die Beobachtungen dar. Aufgrund der wenigen Beobachtungen im oberen Bereich ergeben sich dort sehr große Standardfehler.) Ein Standard-Probit-Modell kommt zu einem vergleichbaren Ergebnis.

Man könnte sich nun noch überlegen, dass es nicht genügt, stimmenstärkste Partei zu sein, um die eigenen politischen Vorstellungen im großen Stil umzusetzen. Als Robustheitscheck wiederhole ich die Analysen nun auch für den eingeschränkten Datensatz, der nur jene Gemeinden inkludiert, in denen die stimmenstärkste Partei bei beiden Wahlen zumindest 50% der Stimmen erhalten hat. Jene Gemeinden, die dieses Kriterium erfüllen, sind in der folgenden Abbildung dargestellt.

absolute_Mehrheiten

Zuordnung von Gemeinden, in denen die stimmenstärkste Partei in beiden Wahlen mindestens 50% der Stimmen erhalten hat.

 

In der Analyse sind nun noch 308 ÖVP-Gemeinden und 119 SPÖ-Gemeinden inkludiert. Die Ergebnisse ändern sich dadurch jedoch kaum: Die mittleren Schulden belaufen sich in SPÖ Gemeinden nun auf 1.587 € pro Kopf und in ÖVP Gemeinden auf 1.549 €.

Die Stammtischhypothese der “Schuldenpartei SPÖ” lässt sich hier also in jeder Hinsicht widerlegen. In der nächsten Diskussion haben Sie, liebe Leserinnen und Leser, einen klaren Argumentationsvorteil! Sie müssen zumindest in dieser Frage nicht mehr auf Intuition zurückgreifen, sondern haben handfeste Daten zur Hand. Aber vergessen Sie bitte nie: Eine Analyse kann nur über ihren tatsächlichen Gegenstand der Analyse Aussagen treffen. Nachdem ich mich auf steirische Gemeinden in der jüngeren Vergangenheit beschränkt habe, können diese Aussagen also nicht direkt auf das Verhalten der Landes- oder Bundesparteien, auf die Finanzgebaren anderer österreichischer Gemeinden oder auf andere historische Zeiträume übertragen werden. Dafür müssten separate Analysen durchgeführt werden.