Me, myself and economics: Political Conscience

I have already mentioned that it is rather deceptive to discuss economic issues as if they were completely independent from normative judges. Several instruments and analyses regularly applied by economists strongly resort to assumptions and thereby beliefs and opinions. Several outcomes and issues discussed in economics strongly depend on the underlying set of institutions and thereby on the politicians responsible for them.

This is not a critique. My critique is rather reserved for those guys who try to exploit the relinquished political conscience of an economist in favour of an accusation – restate it and belie it as it would be something bad. Some probably do it intentionally and fully aware of their formal mistake. They accuse us of a normative bias because they know that others, less educated with regard to this issue, will follow their lead: tabooing political statements as if they would jar with the objectivity of science. The true intention, though, may be rather contrary directed. Instead of protecting science from political dependency the ulterior motive may be to protect certain political conditions from scientific discussion. The best to keep people from questioning a given set of institutions seems to be preventing critical thoughts about it in the first place.

If I, for example, once again dare to question the actual distribution of wealth and property rights, there is a high chance for an accusation that my request is politically motivated. The accusation may be right or wrong. Anyway, it bears no surplus for the scientific discussion. If economic outcomes depend on property rights, and property rights are determined by politically passed laws, any discussion of economic outcomes is logically linked to politics. Supressing the discussion thereby is not less politically motivated than forcing it. If there is a political dimension anyway, keeping quiet about it may serve an individual strategy but not consistency or even objectivity.

Do not get me wrong! I do not request that every discussion of an economic outcome should turn into a political discussion. All I want to state is that especially progressive economists will not be able to spare it all the time. The moment they request a change in economic settings or behaviour, there is a high chance that they implicitly demand political action. This does not imply political dependency for the one who states the request. It is the economic sphere that depends on the political sphere, not necessarily the economist who realizes and communicates this fact.

To this effect, do not evaluate our work over our explicit or implicit political requests only. Rather control for the assumptions we state in our models and analysis. Verify which interdependencies are incorporated and which are neglected. Check whether you can share our beliefs and follow our derivations. But do not render a technical or professional judgement based on our political conscience. If you want to judge economists with regard to political conscience, start with those who do not have one or try to hide it, because they seemingly did not get what economics is about.

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Insider-Trading: Ein Rätsel

Das folgende Rätsel wurde inspiriert von einen Kommentar von David Friedman, den ich irgendwo (ich weiß nicht mehr wo) gelesen habe.

Es gibt drei Wertpapiere mit folgenden Renditen:

W1: 10%, W2: 5%, W3: -3%.

Auf dem Markt gibt es “Insider”, die über spezielle Informationen über diese Wertpapiere verfügen. Für das Puzzle ist es irrelevant, ob sie diese Informationen legal oder illegal bekommen haben. Sagen wir, Insider halten im Aggregat folgendes Portfolio:

W1: 10, W2: 0, W3: 0.

Alle anderen, die Nicht-Insider, halten folgendes Portfolio:

W1: 10, W2: 10, W3: 10.

Wie man leicht überprüfen kann, beträgt die Rendite von Insidern dann 10% und die Rendite von Nicht-Insidern beträgt 4%.

Wer wie viel von welchem Wertpapier hält, ist private Information. Aber jeder weiß, wie viel von welchem Weltpapier insgesamt am Markt gehandelt wird. Und zwar:

W1: 20, W2: 10, W3: 10.

Jedem Investor steht es frei das Marktportfolio zu halten – also ein Portfolio, in dem Wertpapiere 1,2 und 3 im Verhältnis 2:1:1 enthalten sind. Die Rendite dieses Portfolios beträgt 5,5%.

Das Rätsel lautet also: Wenn Insider überdurchschnittliche Renditen bekommen, müssen alle anderen unterdurchschnittliche Renditen bekommen. Aber jeder kann die durchschnittliche Rendite  bekommen, wenn er das Marktportfolio hält. Warum halten dann nicht alle Nicht-Insider einfach das Marktportfolio? Aber wenn alle Nicht-Insider das Marktportfolio halten, wie können dann die Insider überdurchschnittliche Renditen bekommen?

Achtung Satire: Keine Angst vor der Digitalisierung

Immer wieder in der Geschichte wurde der Technische Fortschritt ein Schreckgespenst gezeichnet, das Arbeitsplätze klaut. Doch inzwischen hat die Wissenschaft längst festgestellt: Arbeitsplätze werden nicht geklaut, sie werden verloren. Den Verlust als angeblichen Diebstahl zu verschleiern, war nur ein Trick der faulen Arbeiterschaft, um von der eigenen Schuld und Verantwortung abzulenken. Die wahre Ursache für den Jobverlust ist jedoch auch altbekannt. „Hättens was gscheits glernt“, tönt es hierzu aus dem schwarzen Wirtschaftsministerium passend zum propagierten Allheilrezept für Jobsuchende der Industrie 4.0: lebenslanges Lernen und Flexibilität. Liberale Ökonomen bestätigen die Lösungsformel und das AMS steht zur Umsetzung bereit: Mit dem Kurs „vom Hilfsarbeiter zum Software-Entwickler“ ist jeder Arbeitslose in nur 6 bis 8 Jahren wieder fit für den Arbeitsmarkt. Außerdem wird der Erwerb von Zusatzzertifikaten wie „Kreativität und Erfindungsgeist im Alter“ oder „Maschinenholzbautechnikfriseurskochschlosser-Facharbeiter“ zur Absicherung empfohlen.

Angst ist laut Arbeitgebervertretungen daher unangebracht und gerade für Branchen höherer Bildungsschichten seien die kommenden Umwälzungen sogar ein Heilsbringer. So würde die Digitalisierung juristischer Berufe endlich Arbeitskräfte freisetzen, die für soziale Berufe geradezu geschaffen sind. Beschäftigte der ebenfalls gefährdeten Marketingbranche haben endlich die Chance auf 9-to-5-Jobs. Von intelligenten Programmen ersetzte Steuerberater können sich in ehrenamtlichen Betreuungseinrichtungen weiterhin für Minderbemittelte einsetzen und für Buchhalter bietet der Creative- und Startup-Bereich sicher weiterhin die gewohnte Spannung im Berufsleben.

Arbeit(en) mit Kern: ein Kommentar zum Auftritt des Bundeskanzlers

Wenn ein Bundeskanzler durch Österreich tourt und von Innovationen, Chancen und Risiken technologischen Wandels spricht, sollte ein Ökonom des Schumpeter Centres sich das einmal genauer ansehen und -hören. Nach der schriftlichen Version des sogenannten Plan A und dem Video zur Erstpräsentation gönne ich mir daher letzten Freitag den Live-Auftritt von Christian Kern im gerammelt vollen Kulturhaus in Bruck an der Mur.

Aller Anfang ist schwer und viel zu lang

Bevor der Mann der Stunde den Weg auf die Bühne findet, gibt es jedoch ein paar weniger spannende Eindrücke zu verarbeiten. Die obligatorische Begrüßung diverser Ehrengäste von Ministern bis Bürgermeisterinnen nährt den Verdacht, dass ich wohl einer von ganz wenigen ohne Parteibuch bin. Die in den Einleitungen von Erwin Spindelberger und Andreas Schieder verpackten Seitenhiebe gegen die Lopatkas dieser Welt passen ins selbe Bild und wirken sogar noch erfrischend im Vergleich zu Michael Schickhofers Beweihräucherung steirischer Landespolitik im Stilhybrid aus Parteitags-Trommler und Kinder-Animateur. Doch die aufgelegte Kritik wird erst mal hintangestellt, denn dafür ist das Publikum nicht angereist.
Stehende Ovationen stattdessen als der Bundeskanzler (und für den Großteil im Kulturhaus eben auch Parteivorsitzende) den Saal und die Bühne betritt. Ein Schmäh und eine private Anekdote zur Einleitung und schon ist Christian Kern auch wieder in seinem Element, mitten im Plan A und seinen Vorstellungen einer gerechteren Wirtschafts- und vor allem Arbeitswelt. Für Kenner des Programms folgt ab dann inhaltlich erst mal nichts Neues, mit Ausnahme der expliziten Bezüge zur gastgebenden Obersteiermark.

Ein viel zu kurz gefasstes Wort zum Inhalt

Da stehen die Arbeitsplatzsituation und damit die Digitalisierung natürlich an oberster Stelle. Die ersten Ausführungen gelten jedoch dem wohlstandsfördernden Charakter technologischen Wandels. Christian Kern betont, wie falsch die Verteufelung der Technologie und wie sinnlos das Ankämpfen gegen ihren Fortschritt ist. Ausgerechnet an dieser Stelle zitiert er sogar Karl Marx und verweist auf die Hoffnung, dass Computer und Maschinen letztendlich auch das Potenzial haben, uns vor monotonen Arbeiten zu befreien. Angestellte in stark automatisierten Branchen mussten zwar auch gegenteiliges erleben, doch sei es dem sich immer wieder bekennenden Sozialdemokraten auf der Bühne hoch angerechnet, dass er mit einer positiven Zukunftsperspektive anstatt mit Ängsten ins Thema startet.
Bei allem Optimismus fehlt dem Bundeskanzler natürlich dennoch nicht das Verständnis für die Angst, von den rasanten technischen Veränderungen überrollt oder zumindest überholt zu werden. Aus seinen Ausführungen dürfen sich wohl die Investition in Bildung und auch Ausbildung – mit besonderer Betonung auf Lehr- und Fachberufe – als direkteste Antwort darauf verstehen lassen. Er begnügt sich hier auch nicht mit absoluten Zahlen, sondern betont den notwendigen Kampf gegen Ungleichheit der Chancen, welche sich schon in der Ausstattung der Schulen und Kinder findet und begründet. Wenn es um den Einzug der Technologie in Weiterbildung geht, scheint der Plan A auch an Handlungsempfehlungen der Industrie 4.0 anknüpfbar – wenig überraschend, geht es doch um die recht unumstrittene Investition in Humankapital.
Investitionen finden sich auch in den Maßnahmenpaketen für den Arbeitsmarkt selbst. Diese und der berühmte Beschäftigungsbonus sollen die Schaffung von Arbeitsplätzen stimulieren. An dieser Stelle wird es dann endgültig heikel. Erstens muss Christian Kern den leicht protektionistischen Zugang bei der Subventionsvergabe erklären und die zu wahrende Distanz zum Anti-Europäischen belegen. Zweitens ist es wohl nur in einer so stark eingefärbten (oder mit dem Plan belesenen) Runde möglich, so viel übers Ausgeben und kaum was übers Einnehmen und Sparen zu sprechen. Drittens riecht das gesamte Haschen nach neuen Arbeitsplätzen ein wenig nach Symptombekämpfung, welches die in Eigentumsverhältnissen und Verhandlungsmacht begründeten Ursachen der ungleichen Verteilung von Arbeit und Einkommen schon ein wenig außen vorlässt.
Der Plan A geht bei der Ausmerzung von Ungleichheit und Ungerechtigkeit zwar ein wenig weiter, doch an jenem Abend steht eben der Arbeitsmarkt klar im Vordergrund und hier scheint der Mindestlohn das Steckenpferd der Wahl zu sein. Mit ihm schlägt der Bundeskanzler dann auch die Brücke zum Gender Gap und dessen Bekämpfung. Mit ökonomischen Effekten wird an dieser Stelle ungewohnt wenig argumentiert. Es ist viel mehr das Selbstverständnis der Notwendigkeit von Chancengleichheit und die sozialdemokratische Verpflichtung, welche zur Argumentation ohnehin zu genügen scheinen: was wir uns nicht leisten können, ist eine Gesellschaft, in der das Einkommen hart arbeitender Menschen nicht ausreicht, um das Leben zu bestreiten.

Der bleibende Eindruck

Gepaart mit der an jenem Abend gelungenen Entbehrung des Wortes Effizienz scheint dieser Zugang nach Jahren möchtegern-positiver Volkswirtschaftslehre im ersten Moment ja geradezu erfrischend. Nicht zuletzt, weil die Palette an angesprochenen Maßnahmen und ihre Begründung tatsächlich natürlich breiter ausfällt, als hier in diesen paar Zeilen erfasst – nachzulesen im Druckwerk des Plan A. Das persönliche Erlebnis Christian Kern von letzten Freitag ist eben auch nur das mit Menschlichkeit und politischer Kompetenz gespickte zugehörige Verkaufsgespräch. Ein gutes, muss ich einmal mehr zugeben, und ein bewegendes, welches mit minutenlangen Ovationen und Akkordklatschen bedankt wird. Doch am Ende bleibt die selbstkritische Frage: Habe ich mir doch zumindest ein wenig die (rosa-)rote Brille aufsetzen lassen?
Die Abschlussdiskussion hilft tatsächlich ein wenig auf den fachlich-sachlichen Boden der Tatsachen zurück. Eine unpolitische Unternehmerin darf mit aufs Podium. Gleich ihre erste Ansage lässt ein kritischeres Raunen durch den Saal gehen und doch traut sich die rote Starbesetzung auf der Bühne keinen wirklichen Einspruch erheben – es soll schließlich Gemeinsamkeit und Aufbruchstimmung vermittelt werden. Auch die Reaktionen auf andere, teils kritische, Fragen zeigen, dass sich der Apparat, die Kompetenzen und die Abhängigkeiten rund um diesen charismatischen Hauptredner nicht bahnbrechend verändert haben. Die Relevanz von Innovation und ihren Effekten auf Beschäftigung und Marktstrukturen scheint erkannt, ein Plan als Sammlung von Vorschlägen und Bekenntnissen liegt vor und mit diesem Bundeskanzler ist ohne Zweifel einer der talentiertesten Politiker an der Spitze dieses Vorhabens. Doch aufgrund seiner Verhaftung in der Parteipolitik und den eigenen darin herrschenden Gesetzen muss ich mir bezüglich seiner Erfolgsaussichten zumindest ebenso viel Ungewissheit eingestehen, wie in Bezug auf tatsächliche Wirkungsweise und Steuerungsmöglichkeiten des technologischen Wandels. Christian Kern und sein Plan A sind im Vergleich zur Politik der vergangenen Jahre ohne Zweifel eine Innovation, ein Fortschritt und für einen kritischen Ökonomen wir mich ganz klar ein Hoffnungsschimmer, doch an oder zumindest in der inhaltlichen Tiefe und der Umsetzung gibt es wohl noch einiges zu feilen.