Nationale CO2-Steuer? Nicht vergessen: Österreich ist eine kleine offene Volkswirtschaft

In ihrem Bestreben Österreichs CO2-Emissionen zu senken, denken offenbar manche Experten (sowie auch einige Mitglieder der neuen türkis-grünen Regierung) an die Einführung einer nationalen CO2-Steuer.

Abgesehen von den Schwierigkeiten eine neue Steuer politisch zu verkaufen, gibt es da noch ein volkswirtschaftliches Problem: Österreich ist eine kleine offene Volkswirtschaft.

Na potzblitz! Max erzählt uns immer wieder was Neues, denken Sie sich jetzt. Aber wo liegt da das Problem?

Das Problem ist, kurz gefasst, dass die Wirkung eines CO2-Steuer in einer KOV radikal anders ausfällt als in einer geschlossenen Wirtschaft.

Man rufe sich folgendes Schaubild in Erinnerung:  

Wirkung einer CO2-Steuer in einer kleinen offenen Volkswirtschaft

Eine CO2-Abgabe erhöht die (Grenz-)Kosten der Produktion von CO2-intensiven Gütern wie Strom, Stahl, Papier, chemische Erzeugnisse, etc. Die Angebotskurve dieser Güter verschiebt sich daher nach links (von S auf S’). In einer geschlossenen Wirtschaft würde dies zu einem Anstieg im Preis und einen Rückgang in der Produktion und im Verbrauch dieser Güter führen. Und wenn wenigler Strom, Stahl, Papier, etc. produziert wird, sinkt auch der CO2-Ausstoß. Das ist die Standard-Logik der CO2-Steuer.

Aber in einer KOV wird der Preis nicht im Inland bestimmt, sondern am internationalen Markt. Eine CO2-Steuer führt nicht zu einem Anstieg im Preis CO2-intensiver Güter. Sie bewirkt einen Rückgang in der heimischen Produktion (von S* nach S’), aber nicht im Verbrauch (D*). Jede Tonne Stahl, jede Kilowattstunde Strom, jedes Blatt Papier, das in Österreich aufgrund der CO2-Steuer weniger produziert wird, wird durch erhöhte Netto-Importe ersetzt.

Was passiert mit den CO2-Emissionen?

Die Antwort hängt davon ab, ob man die CO2-Emissionen produktionsbasiert oder konsumbasiert betrachtet. Erstere gehen eindeutig zurück. Allerdings sind für das Klima die konsumbasierten Emissionen entscheidend. Schließlich ist dem Klima nicht geholfen, wenn Österreichs Industrie seine Emissionen um X Tonnen senkt, aber dafür X Tonnen mehr auf anderen Ländern importiert.

Ob die konsumbasierten CO2-Emissionen durch die CO2-Steuer steigen oder sinken hängt wiederum davon ab wie CO2-intensiv die Erzeugung von Strom, Stahl, Papier, etc. im Ausland ist. Hierzu empfiehlt sich die Lektüre von Karl Steininger und Pablo Muños (2010):

„Results show that during 1997 CO2 responsibility based on CBP [consumption based principle] were 36% larger than those based on PBP [production based principle]. This relation has increased through time. The CBP indicator of 2004 was 44% larger than the PBP. In terms of carbon emission location, for each Euro spent on Austrian final demand in 2004, it is estimated that two-thirds of the CO2 emissions occur outside Austrian borders.“

Soll heißen: Österreich ist klar ein Netto-Importeur von CO2-Emissionen.

Weil also eine nationale CO2-Steuer die Netto-Importe von CO2-intensiven Gütern erhöht und diese Güter im Ausland mehr Emissionen erzeugen als im Inland, kann man schließen, dass die konsumbasierten Emissionen Österreichs durch die Steuer steigen anstatt zu sinken.

(Die Anwendung einer CO2-Steuer auf eine große offene Volkswirtschaft bleibt dem geneigten Leser überlassen!)

(Ceterum censeo: I still think the demand side is the wrong side. Effective climate policy must restrict the supply of fossil fuel!)

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