Die ökonomischen Konsequenzen des Coronavirus – Kann Österreich sich das leisten?

Sagen wir einmal, es bleibt dabei, dass Österreich in etwa 40 Milliarden für Coronabetroffene ausgeben wird. Das ist ungefähr die Hälfte des österreichischen Budgets eines Jahres und schon eine größere ungeplante Ausgabe. Kann Österreich sich das leisten?

 

Der Schuldenstand in Österreich betrug Ende 2019 laut Statista 280 Mrd Euro (und steigt jetzt sekündlich, was sie sich hier hier ansehen können). Das ist damit grob 70% vom Bruttoinlandsprodukt von 398,5 Mrd für 2019. Davon bezieht der Staat seine Steuereinnahmen, die rund 80 Mrd Euro im Jahr 2019 ausmachen. Wenn wir nun die 40 Mrd Euro dazurechnen, kommen wir auf einen Schuldenstand von 320 Mrd Euro, was in etwa 80% des jährlichen BIP entspricht. Dabei muss man allerdings sagen, dass das BIP 2020 höchstwahrscheinlich nicht (ganz) so hoch ausfallen wird – dazu ein anderes Mal mehr. Das ist keine Wahnsinnszahl, denn Österreich hatte im Jahr 2016 schon einen Schuldenstand von 83% des damaligen BIP. Diese Situation ist also für Österreich eigentlich kein Neuland.

Natürlich ist der Schuldenstand damit höher, als Österreich gehofft hätte und vielleicht kommt auch mehr dazu und, ja, Österreich wird wieder etwas sparen müssen – da muss man natürlich darüber nachdenken wie, aber es scheint mir alles (zumindest noch) recht weit weg von katastrophal zu sein. Österreich muss einfach ein paar mehr Staatsanleihen ausgeben. Momentan zahlt Österreich dafür ja ohnehin kaum Zinsen. Ich habe mich eigentlich schon länger gewundert, wieso wir als Land so sparsam sind bei den niedrigen Zinsen zurzeit. Ich habe mich gefragt, ob es nicht eine gute Zeit wäre, vernünftige (und langfristig das BIP erhöhende) große Infrastrukturprojekte anzugehen. Aber aus heutiger Sicht, ist es vielleicht doch nicht so schlecht gewesen, dass wir in den letzten Jahren ordentlich gespart haben.

Ich vermute, dass Österreich nicht das einzige Land ist, dass höhere Schulden aufnehmen wird. Das könnte dann dazu führen, dass der Zinssatz am Finanzmarkt etwas hinaufgeht und auch Österreich einen solchen höheren Zinssatz anbieten muss, um AnlegerInnen zu gewinnen. Da Österreich aber weiterhin eine sehr hohe Bonität haben wird – die Wahrscheinlichkeit, dass Österreich seine Kredite nicht zurückzahlen kann, wird als verschwindend klein gesehen, wird der Zinssatz zumindest am unteren Ende aller Zinssätze für Staatsanleihen sein.

Und wenn österreichische Staatsanleihen dann etwas höhere Zinsen abwerfen, könnte das eine attraktive Anlageform für kleine Privatsparende werden. Für Reiche ist eine fast risikolose, daher niedrig verzinste, Staatsanleihe typischerweise nicht von besonderem Interesse.

Also mir scheint, dass Österreich da jedenfalls keine großen Probleme bekommen wird. Ganz anders ist das allerdings wohl für Länder wie Italien mit jetzt schon sehr schlechter Bonität und, Spanien mit auch nicht viel besserer Bonität. Aber damit beschäftige ich mich ein anderes Mal.

4 thoughts on “Die ökonomischen Konsequenzen des Coronavirus – Kann Österreich sich das leisten?

  1. Ja, die Erhöhung der Staatsschulden und der Staatsschuldenquote ist zwar gewaltig, aber wir bleiben wie erwähnt in bekannten Größenordnungen. Und der extrem geringe Zinssatz hilft uns dabei. (Genaugenomen macht der Staat bei Zinssätzen unter der Inflationsrate – und je nach Betrachtung auch bei Zinssätzen unter dem nominalen Wirtschaftswachstum – einen Gewinn. Aber das ist ja nicht neu und hat mit der jetzigen Krise nichts zu tun.)
    Aber bei den jetzigen Dimensionen wird es spannend sein, woher das Finanzvermögen (“die AnlegerInnen”) kommen. Wenn mehr gespart wird, dann ist eh alles geklärt… Wenn es de facto Notenbankkredite sind, und die staatlichen Transfers zu Nachfrage nach Gütern führen, dann könnte es zu einer Inflation kommen. Aber dazu müsste das alles in mehreren Ländern ähnliich laufen, was ja auch nicht ausgeschlossen ist….
    Jedenfalls befinden wir uns derzeit mitten in einer völlig neuartigen Situation – nicht nur im Gesundheitsbereich…

  2. Pingback: Die ökonomischen Konsequenzen des Coronavirus – Corona-Bonds | Graz Economics Blog

  3. Danke für die Informationen.

    Ich hatte nicht gewusst, dass die Inflationsrate so abhängig von der Finanzierung(-sstruktur) des Maßnahmenpaketes abhängig ist – sowie auch von den Investitionsaktivitäten von Haushalten/Firmen.

    Ich selbst hab mir die Mühe gemacht die mögliche Inflation zu berechnen und zwar nach folgenden rudimentären Ansatz:

    Vermögen in Österreich appr. 2385 Mrd (Durchschnittsvermögen * Bevölkerung)
    BIP in Österreicch appr. 400 Mrd
    Budged in Österreich appr. 80 Mrd

    Wenn man jetzt überall den zusätzlichen Finanzbedarf der Maßnahmen 48 Mrd. hinzuaddiert und daraus die (durch welche Art von Finanzierung auch immer) die prozentuelle Steigerung (welche ja der Inflation entspräche (?)) berechnet, käme man auf:

    Vermögensinflation: 2 %
    BIP-Inflation: 12 %
    Budget-Inflation: 60 %

    Durchschnittliche Inflation: 24,66 %

    Kann man dies so überhaupt rechnen? Oder habe ich da jetzt insgesamt 3x 48 Mrd an Finanzmitteln zugefügt? Ich glaube fast?

    Wenn ja, wie gesagt ist ein rudimentärer Ansatz – ich habe keine ökonometrischen Programme für “richtige” Modelle und wollte nur eine Überschlagsrechnung anstellen. Ich dachte mir dabei, dass die drei Größen (Vermögen, BIP, Budget) dabei grob als Analogie für die gesellschaftlichen Schichten (Ober-, Mittel- und Untersicht) stehen könnten.

    Wenn nein? Also die obigen Werte durch 3 dividieren – dann wären es:

    Vermögensinflation: 0,67 % –> Oberschicht
    BIP-Inflation: 4 % –> Mittelschicht
    Budget-Inflation: 20 % –> Unterschicht

    Durchschnittliche Inflation: 8,23 %

    Wie gesagt, es ist ja anscheinend von den Ihnen erwähnten Faktoren (Finanzierungsstruktur und Investitionsstruktur) abhängig. Aber wenn man davon ausgeht, das jetzt schon durchaus einige Insolvenzen stattgefunden habe und es vermutlich auch noch zu weiteren kommen wird in besonders betroffenen Branchen, dann kann ja nicht keine Inflation auftreten sein – zumindest nicht im herkömmlichen Sinn. Kommt mir mehr so wie eine Instant-Inflation vor (welche durch die Betriebsschließungen hervorgerufen worden ist), weil ja die verfügbaren finanziellen Mitteln der Betriebe aufgebraucht werden mussten und so die Inflation zu den Lieferketten bzw. zu den Arbeitnehmern weiterverschoben wurde!?

    Kann man dies durch das Inflations-Triangle-Modell von Robert J. Gordon einordnen? Mir kommt eher vor, dass sich dadurch nicht die AD-Kurve (wie bei der Demand-Pull-Inflation) nach rechts verschiebt sondern sich das Gleichgewicht im AS-AD-Modell direkt auf der AD-Kurve nach links-oben verschieben müsste (wie es ja auch die Verschiebungen “auf” der Kurve beim Übergang von AS-AD-Modell zur Phillipskurve gibt). Demnach müsste dann im zweiten Schritt (in Anbetracht der vertikalen LRAS-Kurve) das Gleichgewicht entweder durch Anpassung der AS-Kurve weiter nach links oder auch die LRAS-Kurve selbst “ebenfalls” weiter nach links verschoben werden.

    Egal, so viel wollte ich eigentlich gar nicht schreiben.

    Interessant wäre jedoch eine Analyse im angrenzenden Phillips-Kurven-Modell.

    Wie gesagt, für etwaige korrigierende Inputs zu meinen Überlegungen (vorallem zu meinem rudimentären Modell) wäre ich dankbar.

    LG

    • Die inflationsrate ist nicht so extrem davon abhängig, wie Österreich seine Maßnahmen finanziert. In erster Linie wird sich, nur weil Österreich sich ein bisschen mehr Geld leiht, nicht gleich die EURO-Inflation ändern. Wenn alle EU Staaten sich viel Geld ausleihen, kann das eventuell zu höheren Zinssätzen und auch zu einer etwas höheren Inflation führen. Ich sehe da momentan aber nicht so ein Risiko, da es so scheint es viel Vermögen auf der Welt gibt, das schon länger (fast schon verzweifelt) sich (relativ) sichere Anlageformen sucht. Ihre Inflationsrechnung kann man so jedenfalls sicher nicht machen.

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