Ein Hauch von Ökonomik: leben und leben lassen

In der Wohngemeinschaft, in der Siedlung, am Campingplatz, im Hotel, im Restaurant, im Zug, im Park und im Hörsaal – überall treiben wir unser Unwesen. Wir, scheinliberale Spaßnudeln aus dem Team Yolo mit dem Codenamen Chillax – zu cool für gesellschaftliche Übereinkünfte, wenn letztere unserem Egotrip gerade nicht dienlich scheinen. Haben wir Lust auf ein wenig Krach nach Mitternacht, auf eine Zigarette am Esstisch und auf Lautsprechermusik im vollen Abteil, dann bilden wir uns ein Naturrecht darauf ein. Wagt jemand eine Beschwerde, zeigen wir uns höchst empört über den spießigen Versuch des Freiheits- und Rechteraubs: man möge sich doch entspannen, sich beruhigen, die Sache nicht so eng sehen – leben und leben lassen.

Das sagen ausgerechnet wir, die wir unruhig und engstirnig momentanen Impulsen folgen und konfrontative Situationen provozieren, anstatt diese zu entspannen. Wir, die wir uns das Recht herausnehmen, rücksichtslos in das Leben anderer einzugreifen, verwehren uns schon im nächsten Moment gegen regulative Interventionen und verkaufen es auch noch als Überzeugung.

Wehe, uns würde jemand früh morgens den Schlaf rauben. Wehe, jemand würde neben unserem Speiseteller ein Duftstäbchen entzünden. Wehe, zwei Sitze weiter würde jemand Schlagerlieder vor sich hin krächzen. Wehe, jemand wagt irgendetwas, das nicht unserer Präferenz entspricht. Asozial muss dieser jemand sein und natürlich spießig, wenn er überhaupt ein Leben hat. Denn wir haben ja eines und wissen daher, wie ein Leben auszusehen hat. Wir, gleichermaßen Zentrum der Welt und Maßstab aller Dinge. Oder doch bloß ewig im Stadium egozentrischer Kleinkinder, welche die Welt ausschließlich von der eigenen Position aus zu interpretieren im Stande sind?

Jedenfalls nicht ganz die Toleranz, die wir so gerne einfordern. Koordination, Kooperation und entsprechende Regeln sind eben komplex. Und kompliziert sein ist was für Stresser. Wir hingegen sind simpel. Kein langes Abwägen von gegenseitigen Abhängigkeiten und externen Effekten. Stattdessen finden Beurteilung und Sinnfrage bereits mit dem Abgleich des spontanen Eigeninteresses ihr Ende. Individualistisch, opportunistisch und teilweise bildungsresistent hinsichtlich empathischer und rationaler Entscheidungsfindung – ja, wir arbeiten hart am Ende der sozialen und liberalen Gesellschaft – zu entspannt, um leben zu lassen, was uns leben lässt?

The Case of Anarchy, Case Closed: a comment on a talk by David Friedman.

“All human beings are born free and equal in dignity and rights”. At least as long as David Friedman’s dreams do not come true. In the anarcho-capitalist society he proposed in today’s talk rights are goods and services traded on markets. The rights you are born with are then those your parents are paying for. I invite you to think about the destiny of your dignity, if you are born in such a society without solvent and generous parents. It gives me the creeps just as David Friedman has done, when he indirectly preached against the first article of the Universal Declaration of Human Rights.

It was not only the lack of morality. It was also the lack of consistency. He may dream of a world without a government, but the system he sketched was not such. Publicly elected governments were just substituted by private ones individually selected on hypothetical markets. As if it was not bizarre enough that one has to purchase their basic rights just like one has to choose amongst hopefully affordable insurances, Friedman does not even hesitate to sketch the so-called law enforcement companies like organizations we know from Mafia films – sending strong men to protect their clients and punish their adversaries. We now know pretty well how ruling by private clans work out, from organized crime as well as from feudalism. We know that the “freedom of choice” often did not work out that well for those who tried to use it. We know about the economics of scale, network effects and corresponding concentration of power in cartels and monarchies. So, while I still have no clue how an anarcho-capitalist system should achieve a stable outcome in a world of externalities and asymmetric information, we can at least imagine the lack of liberty in a society where rights are distributed as unequally as property.

Money and bloodline already has enough influence on legislation, jurisdiction and execution. To me, giving up my one-vote-per-head democracy in favour of Friedman’s anarcho-capitalism seems just like the final resignation in favour of a sort of legitimised corruption. I cannot deny that governmental failure is obvious and the average voter knows too little about the true incentives, intentions and efforts of the politicians elected and electable. The transaction costs in favour of a well-informed decision, though, would not necessarily decrease only because the provider of law would be a private company instead of a public party. After all I am thankful for Friedman’s talk, which seems to be science fiction rather than scientific. Not only did he give insights into the theoretical and empirical shortcomings of libertarian thought, but he also encouraged me to stick to Winston Churchill’s quote: “democracy is the worst form of government, except for all the others.”

Ein Hauch von Ökonomik: Wenn das Leben dir Zitronen gibt…

Ich weiß nicht, wie viele wir wirklich sind – wir, welche der ÖH-Wahl mit gemischten Gefühlen entgegensteuern. Genug, um regelmäßig auf unsereins zu treffen. Kopfschütteln über die Inszenierung, Ablehnung gegenüber einige der Protagonisten und in ganz dunklen Momenten drängt sich manchen sogar die Sinnfrage auf. Spätestens an dieser Stelle ist Reflektion geboten, schließlich geht es um eine demokratische Institution.

Kümmern wir uns also erstmal um unser vermeintliches Desinteresse an der ÖH. Dies mag sich einerseits daraus ergeben, dass wir zu den Glücklichen gehören, die nie auf Rat und Tat des Klassensprechers und der Studienvertreterin angewiesen waren. Andererseits liegt es vielleicht noch mehr daran, dass wir einfach nie darüber nachgedacht haben, wie stark unser Glück und Erfolg im Schul- und Studienalltag davon profitierte, dass in diversen Gremien von uns gewählte Personen mitzureden hatten. Ein wenig Recherche und ein kurzer Blick über den Tellerrand direkter Betroffenheit hinaus sollten jedenfalls auch die letzten unter uns zu dem Schluss kommen lassen: interessieren sollte uns die Wahl wohl schon.

Unsere gemischten Gefühle rühren jedoch ohnehin mehr wo anders her – weniger aus den fehlenden Erfahrungen, als aus ein paar wenigen prägenden, die wir hatten oder zumindest als solche wahrnahmen: Karrieristinnen, die um zukünftige Listenplätze im Parteikader buhlen, Schwätzer auf der Suche nach Publikum, und Spätzünder im Eifer um ein Toleranzsemester. Überspitzte Beschreibungen, wie sie wohl auf viele Funktionärinnen in der ÖH und insbesondere einiger Studienvertretungen nicht zutreffen. Und doch sind sie nicht völlig aus der Luft gegriffen. Als wäre es nicht schlimm genug, dass wir selbst mit solchen Spitzen immer wieder ins Schwarze treffen, ist nicht zuletzt durch Verbreitung unserer Verdrossenheit eine Gefahr in Verzug.

Gerade die Politik, wie wir sie eben teilweise auch rund um die ÖH erleben, scheint besonders anfällig für das Phänomen adverser Selektion zu sein. Die öffentliche Meinung über die Politikerkaste ist wohl kaum auf ihrem Höchststand. In die Politik zu gehen, kann daher mit beachtlichen Opportunitätskosten verbunden sein – insbesondere für jene, deren Leistungsfähigkeit sich auch abseits freundschaftlicher Gunst und gerade auf Basis ihrer politischen Unabhängigkeit großer Wertschätzung erfreut. Umso attraktiver wird die politische Karriere für jene Zitronen, für welche das schrittweise Hochdienen nach Vorschrift und Vetternwirtschaft erfolgsversprechender scheinen, als sich individuell einem inhaltlichen Wettbewerb zu stellen. Umso stärker unsere überspitzten Beschreibungen nun die Wahrnehmung der ÖH dominieren, umso eher wird sie von kompetenten Kräften gemieden werden und zum Zitronenmagnet verkommen.

So gut wir also daran tun, manchen unter gegenwärtigen Bedingungen gewählten Personen nicht unbedingt und immerzu Exklusivität und Repräsentativität in unserer Vertretung zuzuschreiben, so achtsam müssen wir in unserer Kritik sein. Unsere Aversion gegenüber manchen Protagonisten sollte uns und andere nicht der Wertschätzung gegenüber der demokratischen Institution an sich berauben. In anderen Worten: wer weniger Zitronensaft im Obstsalat will, sollte jede Gelegenheit nutzen, um eine entsprechende Bestellung abzugeben, aber ihn keinesfalls als Vitaminquelle schlecht reden, nur weil er mal sauer aufstößt.

Ein Hauch von Ökonomik: Tote Hose

Es geht nicht darum, dass wir Konformisten besonders stil- oder modebewusst sind. Wir wissen einfach nur, was sich gehört. Und ganz sicher nicht gehört es sich, mit einer Jogginghose in der Öffentlichkeit rum zu laufen oder sie gar in der Arbeit anzuziehen. Zuhause kann jeder machen was er will. Und für den Sport ist es ja auch ok. Aber wieso anderswo?

Zum einen, weil es ein freies Land ist – angeblich. Zum anderen, weil es bequem ist. Zwei gute Gründe, uns ein wenig mehr in Toleranz zu üben. Tatsächlich könnte uns die Bequemlichkeit der Jogginghose ein wenig entspannter machen und vielleicht sogar produktiver – insbesondere verglichen mit Anzug, Bluse, Hemd und Krawatte. Aber um Tatsachen und Sachlichkeit geht es uns hier gar nicht.

Unsere Abneigung, die Verurteilung und der Scham ergeben sich nicht aus Überlegungen der Effizienz oder des körperlichen Wohlbefindens. Tatsächlich ist es wohl eine verinnerlichte soziale Norm – eine Regel, welcher die Metamorphose zur subjektiven Präferenz gelang. Seinen Präferenzen zu folgen, ist dann durchaus rational und durchaus Kern mikroökonomischer Lehre. Soweit scheint unsere Intoleranz kurzfristig dann doch wieder sachliche Legitimität zu besitzen.

Mittelfristig ließe sich eine erlernte Präferenz wohl auch wieder verlernen. Es war nicht unbedingt der Konservatismus, der unserer Gesellschaft den Fortschritt brachte. Konservativ wirkt es aber, wenn eine Präferenz auf einer anerzogenen und unhinterfragten Gewohnheit fußt, deren vorrangiger Zweck wohl ist, einen gewissen in Redewendungen gepackten Schein zu wahren. Kleider machen Leute. Leute sollen was aus sich machen. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Die von einer Jogginghose ausgestrahlte Bequemlichkeit passt da nur schwer ins Bild.

Natürlich wissen wir, dass bequeme Kleidung in einem Großteil der Berufe kaum negativen Einfluss auf unsere Performance hätte. Doch es ist eine Spielregel in einem Spiel, in dem es oft weniger um die tatsächliche Leistung geht, als um die Verpackung derselben. Unsere Verpackung spielt dabei eine wesentliche Rolle. Und weil auch wir weiterhin eine angemessene Rolle spielen wollen, sind wir Konformisten uns auch weiterhin zu bequem, uns für mehr Bequemlichkeit einzusetzen.

Achtung Satire: Mikroökonomik, Fakt und Finis

Im Zuge der Kritik eines Kritikers haben Ökonomen endlich Klartext gesprochen. Denn ja, muss sich unsere Disziplin zwar eingestehen, in der Analyse und Prognose makroökonomischer Entwicklungen ab und an im Dunkeln zu tappen, wissen wir über mikroökonomische Zusammenhänge sehr genau bescheid.

So haben Ökonomen der alten Schule längst erkannt, dass die Bevölkerung so Pi mal Daumen ohnehin nur aus materialistischen Super-Brains besteht. Alle wissen ganz genau, was sie wollen, wie sie es bekommen und auf Punkt und Komma die dafür notwendige Mittelverwendung feststellen. Ganz genau so, wie alle Personen stets exakt berechnen, wie viele Stunden sie für welches Gehalt arbeiten wollen. Dann gehen sie zu ihren Chefs und das setzen das durch, solange der Lohnsatz am Ende halt nur der Grenzproduktivität entspricht. Und da die ja wohl jeder von sich und jeder potenziellen Arbeitskraft kennt, ist das nächste Gleichgewicht nicht weit – effizient und glücklich. Hier wäre man versucht, eine Erklärung nachzuliefern. Aber was will man einer Bevölkerung aus Super-Brains noch erklären, deshalb können Ökonomen auch guten Gewissens darauf verzichten.

An dieser Stelle stellt sich natürlich auch die Frage, weshalb überhaupt Artikel wie dieser geschrieben werden, denn wenn ohnehin so gut wie alle so gut wie alles wissen. Deshalb halt: natürlich ist die Sache nicht ganz so einfach und wir Ökonomen der mittelalten Schule verbitten uns diese sarkastischen Untergriffe. Wir wissen schon, dass die Welt ein klein wenig komplexer ist und unsere Modelle jetzt nicht haarscharf die Realität abbilden. Aber sie sind eben gut genug und sollte sich jemand tatsächlich ganz anders verhalten, als unsere mikroökonomischen Modelle es beschreiben, dann ist das sein Fehler. In diesem Sinne darf mit der einzig wesentlichen Frage geschlossen werden: lebst Du noch oder rechnest Du schon?

 

Referenz: https://www.forbes.com/sites/timworstall/2012/09/10/debunking-steve-keens-debunking-economics/#3cbda00f7a68

Me, myself and economics: Political Conscience

I have already mentioned that it is rather deceptive to discuss economic issues as if they were completely independent from normative judges. Several instruments and analyses regularly applied by economists strongly resort to assumptions and thereby beliefs and opinions. Several outcomes and issues discussed in economics strongly depend on the underlying set of institutions and thereby on the politicians responsible for them.

This is not a critique. My critique is rather reserved for those guys who try to exploit the relinquished political conscience of an economist in favour of an accusation – restate it and belie it as it would be something bad. Some probably do it intentionally and fully aware of their formal mistake. They accuse us of a normative bias because they know that others, less educated with regard to this issue, will follow their lead: tabooing political statements as if they would jar with the objectivity of science. The true intention, though, may be rather contrary directed. Instead of protecting science from political dependency the ulterior motive may be to protect certain political conditions from scientific discussion. The best to keep people from questioning a given set of institutions seems to be preventing critical thoughts about it in the first place.

If I, for example, once again dare to question the actual distribution of wealth and property rights, there is a high chance for an accusation that my request is politically motivated. The accusation may be right or wrong. Anyway, it bears no surplus for the scientific discussion. If economic outcomes depend on property rights, and property rights are determined by politically passed laws, any discussion of economic outcomes is logically linked to politics. Supressing the discussion thereby is not less politically motivated than forcing it. If there is a political dimension anyway, keeping quiet about it may serve an individual strategy but not consistency or even objectivity.

Do not get me wrong! I do not request that every discussion of an economic outcome should turn into a political discussion. All I want to state is that especially progressive economists will not be able to spare it all the time. The moment they request a change in economic settings or behaviour, there is a high chance that they implicitly demand political action. This does not imply political dependency for the one who states the request. It is the economic sphere that depends on the political sphere, not necessarily the economist who realizes and communicates this fact.

To this effect, do not evaluate our work over our explicit or implicit political requests only. Rather control for the assumptions we state in our models and analysis. Verify which interdependencies are incorporated and which are neglected. Check whether you can share our beliefs and follow our derivations. But do not render a technical or professional judgement based on our political conscience. If you want to judge economists with regard to political conscience, start with those who do not have one or try to hide it, because they seemingly did not get what economics is about.

Achtung Satire: Keine Angst vor der Digitalisierung

Immer wieder in der Geschichte wurde der Technische Fortschritt ein Schreckgespenst gezeichnet, das Arbeitsplätze klaut. Doch inzwischen hat die Wissenschaft längst festgestellt: Arbeitsplätze werden nicht geklaut, sie werden verloren. Den Verlust als angeblichen Diebstahl zu verschleiern, war nur ein Trick der faulen Arbeiterschaft, um von der eigenen Schuld und Verantwortung abzulenken. Die wahre Ursache für den Jobverlust ist jedoch auch altbekannt. „Hättens was gscheits glernt“, tönt es hierzu aus dem schwarzen Wirtschaftsministerium passend zum propagierten Allheilrezept für Jobsuchende der Industrie 4.0: lebenslanges Lernen und Flexibilität. Liberale Ökonomen bestätigen die Lösungsformel und das AMS steht zur Umsetzung bereit: Mit dem Kurs „vom Hilfsarbeiter zum Software-Entwickler“ ist jeder Arbeitslose in nur 6 bis 8 Jahren wieder fit für den Arbeitsmarkt. Außerdem wird der Erwerb von Zusatzzertifikaten wie „Kreativität und Erfindungsgeist im Alter“ oder „Maschinenholzbautechnikfriseurskochschlosser-Facharbeiter“ zur Absicherung empfohlen.

Angst ist laut Arbeitgebervertretungen daher unangebracht und gerade für Branchen höherer Bildungsschichten seien die kommenden Umwälzungen sogar ein Heilsbringer. So würde die Digitalisierung juristischer Berufe endlich Arbeitskräfte freisetzen, die für soziale Berufe geradezu geschaffen sind. Beschäftigte der ebenfalls gefährdeten Marketingbranche haben endlich die Chance auf 9-to-5-Jobs. Von intelligenten Programmen ersetzte Steuerberater können sich in ehrenamtlichen Betreuungseinrichtungen weiterhin für Minderbemittelte einsetzen und für Buchhalter bietet der Creative- und Startup-Bereich sicher weiterhin die gewohnte Spannung im Berufsleben.