Achtung Satire: Mikroökonomik, Fakt und Finis

Im Zuge der Kritik eines Kritikers haben Ökonomen endlich Klartext gesprochen. Denn ja, muss sich unsere Disziplin zwar eingestehen, in der Analyse und Prognose makroökonomischer Entwicklungen ab und an im Dunkeln zu tappen, wissen wir über mikroökonomische Zusammenhänge sehr genau bescheid.

So haben Ökonomen der alten Schule längst erkannt, dass die Bevölkerung so Pi mal Daumen ohnehin nur aus materialistischen Super-Brains besteht. Alle wissen ganz genau, was sie wollen, wie sie es bekommen und auf Punkt und Komma die dafür notwendige Mittelverwendung feststellen. Ganz genau so, wie alle Personen stets exakt berechnen, wie viele Stunden sie für welches Gehalt arbeiten wollen. Dann gehen sie zu ihren Chefs und das setzen das durch, solange der Lohnsatz am Ende halt nur der Grenzproduktivität entspricht. Und da die ja wohl jeder von sich und jeder potenziellen Arbeitskraft kennt, ist das nächste Gleichgewicht nicht weit – effizient und glücklich. Hier wäre man versucht, eine Erklärung nachzuliefern. Aber was will man einer Bevölkerung aus Super-Brains noch erklären, deshalb können Ökonomen auch guten Gewissens darauf verzichten.

An dieser Stelle stellt sich natürlich auch die Frage, weshalb überhaupt Artikel wie dieser geschrieben werden, denn wenn ohnehin so gut wie alle so gut wie alles wissen. Deshalb halt: natürlich ist die Sache nicht ganz so einfach und wir Ökonomen der mittelalten Schule verbitten uns diese sarkastischen Untergriffe. Wir wissen schon, dass die Welt ein klein wenig komplexer ist und unsere Modelle jetzt nicht haarscharf die Realität abbilden. Aber sie sind eben gut genug und sollte sich jemand tatsächlich ganz anders verhalten, als unsere mikroökonomischen Modelle es beschreiben, dann ist das sein Fehler. In diesem Sinne darf mit der einzig wesentlichen Frage geschlossen werden: lebst Du noch oder rechnest Du schon?

 

Referenz: https://www.forbes.com/sites/timworstall/2012/09/10/debunking-steve-keens-debunking-economics/#3cbda00f7a68

Achtung Satire: Keine Angst vor der Digitalisierung

Immer wieder in der Geschichte wurde der Technische Fortschritt ein Schreckgespenst gezeichnet, das Arbeitsplätze klaut. Doch inzwischen hat die Wissenschaft längst festgestellt: Arbeitsplätze werden nicht geklaut, sie werden verloren. Den Verlust als angeblichen Diebstahl zu verschleiern, war nur ein Trick der faulen Arbeiterschaft, um von der eigenen Schuld und Verantwortung abzulenken. Die wahre Ursache für den Jobverlust ist jedoch auch altbekannt. „Hättens was gscheits glernt“, tönt es hierzu aus dem schwarzen Wirtschaftsministerium passend zum propagierten Allheilrezept für Jobsuchende der Industrie 4.0: lebenslanges Lernen und Flexibilität. Liberale Ökonomen bestätigen die Lösungsformel und das AMS steht zur Umsetzung bereit: Mit dem Kurs „vom Hilfsarbeiter zum Software-Entwickler“ ist jeder Arbeitslose in nur 6 bis 8 Jahren wieder fit für den Arbeitsmarkt. Außerdem wird der Erwerb von Zusatzzertifikaten wie „Kreativität und Erfindungsgeist im Alter“ oder „Maschinenholzbautechnikfriseurskochschlosser-Facharbeiter“ zur Absicherung empfohlen.

Angst ist laut Arbeitgebervertretungen daher unangebracht und gerade für Branchen höherer Bildungsschichten seien die kommenden Umwälzungen sogar ein Heilsbringer. So würde die Digitalisierung juristischer Berufe endlich Arbeitskräfte freisetzen, die für soziale Berufe geradezu geschaffen sind. Beschäftigte der ebenfalls gefährdeten Marketingbranche haben endlich die Chance auf 9-to-5-Jobs. Von intelligenten Programmen ersetzte Steuerberater können sich in ehrenamtlichen Betreuungseinrichtungen weiterhin für Minderbemittelte einsetzen und für Buchhalter bietet der Creative- und Startup-Bereich sicher weiterhin die gewohnte Spannung im Berufsleben.

Achtung Satire: Institut für Volkswirtschaftslehre stellt irrtümlich Ökonomen an

Am repräsentativen Institut für Volkswirtschaftslehre im englischen Foresighton wurde eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter an einen jungen Ökonomen vergeben. In Kreisen der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften ist man sich uneinig, ob es sich dabei um einen Marketing-Gag oder doch bloß um einen Fehler handelt.
Der Dekan seinerseits glaubt nicht an einen Fehler. „Die Kommission war mit mehreren Professoren der Volkswirtschaftslehre besetzt. Es würde mich sehr wundern, wenn es unter Mathematikern zu menschlichem Versagen gekommen wäre.“ Sollte sich doch ein Fehler nachweisen lassen, hätte dies jedoch gewiss ein Nachspiel.
Andere Mitglieder der Kommission verweisen darauf, dass es im Zuge des Bewerbungsprozesses durchaus Auffälligkeiten gegeben haben soll. So habe der Bewerber im persönlichen Gespräch angeben, sich für die soziale Relevanz von untersuchten Problemstellungen und die politische Umsetzbarkeit von Lösungen zu interessieren. Der Institutsleiter versucht zu relativieren: „Wir versuchen derlei qualitativen Input kein Gewicht beizumessen. Wenn wir Aussagen nicht in eine für das Modell taugliche analytische Form bringen können, gelten sie für uns als vernachlässigbar“.
Der mittlerweile eingesetzte Untersuchungsausschuss hat jedoch eine weitere Auffälligkeit festgestellt. Der Bewerber soll beim Einstellungstest nicht alle gestellten Aufgaben mittels Optimierungsansätzen gelöst haben. Teilweise soll es gar bei der kritischen Diskussion der Aufgabe belassen worden sein. Auf die Frage, wie ein solcher Umstand so lange unbemerkt bleiben konnte, entgegnet das Sekretariat: „Da unsere Professoren vollständig rationale und informierte Bewerber annehmen, schien uns die Überprüfung der Ergebnisse beim Einstellungstests unnötig.“ Auf den Vorwurf hin, dass diese Annahme doch sehr gewagt ist, bekommt das Sekretariat Rückendeckung seitens des Institutsleiters: „Es kann ja wohl nicht sein, dass man nun beginnt, unsere Annahmen zu hinterfragen.“
Die anderen Professoren am Institut unterstützen die Ansicht des Institutsleiters und ergänzen gar: „Wenn die Einstellung eines Ökonomen tatsächlich ein unlösbares Problem darstellt, dann nehmen wir eben an, der neu eingestellte Mitarbeiter sei kein Ökonom.“ Dies sei keine Realitätsverweigerung, sondern eine durchaus zulässige Approximation genereller Gültigkeit. Rückendeckung bekommt das Institut dabei auch von diversen Ökonometrikern anderer Universitäten. „Wir haben mehrere Regressionsanalysen durchgeführt. Für die Behauptung, dass im Bereich der Volkswirtschaftslehre auf Ökonomen zurückgegriffen wird, konnten wir keine ausreichende Signifikanz feststellen“. Selbst als ihnen Kopien der unterzeichneten Verträge vorgelegt werden, schütteln sie bloß den Kopf: „Nicht signifikant.“